Jeder Kalender ein Tropfen Zukunft
Fotografie bedeutet für mich weit mehr als nur schöne Bilder festzuhalten. Sie ist meine Sprache – eine Möglichkeit, die Welt zu zeigen, wie ich sie sehe. Und manchmal sogar, sie ein Stück zu verändern.
Mit meinem jährlich erscheinenden Kalender verbinde ich diese Leidenschaft mit einem Herzensanliegen: Ich sammle Spenden für die well:fair (Neven-Subotic-Stiftung), die sich für den Bau von Brunnen in ländlichen Regionen Afrikas einsetzt und so Menschen den Zugang zu sauberem und gesundem Trinkwasser ermöglicht.
Im Januar 2025 durfte ich selbst nach Tansania reisen, um die Projektregion mit eigenen Augen zu sehen. Ich traf Menschen, deren Alltag sich durch einen Brunnen von Grund auf verändert hat – Kinder, die nun zur Schule gehen können, weil sie nicht mehr stundenlang Wasser holen müssen. Mütter, die ihre Kinder gesund aufwachsen sehen. Familien, die neue Hoffnung schöpfen.
Unsere Reise führte uns zu drei sehr unterschiedlichen Orten: In einer Gemeinde ohne Zugang zu sauberem Wasser erlebten wir hautnah, wie beschwerlich der Alltag dort noch ist. In einer zweiten Gemeinde waren wir beim sogenannten „Flushing“ dabei – dem ersten Moment, in dem Wasser aus der neu gebohrten Quelle schießt. Die Freude und Erleichterung der Menschen war unbeschreiblich. Und schließlich besuchten wir eine Gemeinde, in der bereits seit einigen Monaten ein Brunnen in Betrieb ist: Dort spürt man förmlich, wie sich das Leben verändert hat – mehr Gesundheit, mehr Bildung, mehr Zukunft.
Diese Reise hat mich tief bewegt. Sie hat mir gezeigt, wie viel Wirkung in einem einzigen Tropfen liegen kann – und dass es sich lohnt, weiterzumachen.
Der ausführliche Bericht folgt weiter unten.
Meine persönliche Reflektion
Tag 1
Wo Hoffnung auf Wasser trifft
Unser erster Tag führte uns in die Gemeinde Ihegela – ein Ort mit rund 1.400 Einwohnern, der noch nie Zugang zu sauberem Wasser hatte. Schon bei unserer Ankunft war klar: Dieser Tag wird emotional. Die Dorfgemeinschaft empfing uns mit einem bewegenden Fest – es wurde gesungen, getanzt, geklatscht. In all der Herzlichkeit lag eine spürbare Hoffnung auf Veränderung.
Doch diese Hoffnung steht im starken Kontrast zur Realität: Gemeinsam mit den Dorfbewohner*innen gingen wir den Weg zur Wasserquelle, die in der Trockenzeit noch Wasser führt. 2,5 Kilometer steil bergab – nur um dort auf eine schlammige, mit Bakterien und Verunreinigungen belastete Pfütze zu treffen. Genau dieses Wasser trinken die Menschen hier. Täglich. Es macht sie krank.
Wir füllten 10-Liter-Eimer und trugen sie zurück ins Dorf. Schon nach einem Mal war es körperlich anstrengend – viele hier tun das mehrmals am Tag. Es war ein schmerzlicher Einblick in einen Alltag, den sich viele von uns kaum vorstellen können.
Und doch: Die Menschen verlieren nicht ihren Mut. Denn bald wird hier ein Brunnen gebaut. Ich durfte sehen, was „Hoffnung auf Wasser“ bedeutet – und wie viel Kraft in ihr steckt.
Tag 2
Als das Wasser kam
Am zweiten Tag besuchten wir die Gemeinde Mwitikilwa – ein Ort mit rund 2.700 Menschen und einer großen Schule. Hier sollte an diesem Tag etwas ganz Besonderes geschehen: das erste Wasser sollte aus einem neu gebohrten, fast 200 Meter tiefen Brunnen an die Oberfläche gepresst werden – der sogenannte „Flushing“-Moment.
Schon unsere Ankunft war überwältigend. Hunderte von Schulkindern säumten den Weg, sangen, klatschten, tanzten – eine Willkommensgeste voller Herzlichkeit und Lebensfreude. Die Spannung war spürbar, als wir schließlich zur Bohrstelle gingen. Dort wurde ein Kompressor angeschlossen, der das Wasser aus der Tiefe nach oben drückte. Für einen Moment war es still – dann schoss das Wasser in hohem Bogen aus dem Boden.
Und mit einem Mal brach die Freude aus den Menschen heraus: „Maji! Maji!“ (Swahili für Wasser) riefen sie, viele schrien, lachten, weinten, umarmten sich. Es war ein Moment von unbeschreiblicher Energie – pure Dankbarkeit, Hoffnung, Erlösung.
Für mich war es einer der emotionalsten Augenblicke meines Lebens. Ich stand da, zwischen Tränen und einem Lächeln, und wusste: Hier passiert gerade etwas, das ein ganzes Leben verändern kann. Und ich durfte es miterleben.
Tag 3
Wo Wasser Leben verändert
Am dritten Tag unserer Reise besuchten wir die Gemeinde Ikonongo, wo im Sommer 2024 der Brunnen bereits fertiggestellt wurde. Zusätzlich wurden an der Schule geschlechtergerechte Sanitäranlagen für die Schülerinnen und Schüler sowie ein Toilettenhaus für die Lehrkräfte errichtet.
Schon bei der Ankunft spürten wir die Veränderung. Die Menschen begrüßten uns mit einem bewegenden Fest voller Musik, Tanz und herzlicher Worte – eine Geste, die uns tief berührte. Wir besichtigten die Wasserstellen, die Klassenzimmer und die liebevoll gepflegten Schulgärten. Überall war zu sehen, wie sehr sich das Leben durch den Zugang zu sauberem Wasser verändert hat.
Die Kinder erzählten uns, dass sie nicht mehr krank werden, dass sie jetzt gerne zur Schule gehen. Die Zahl der Einschreibungen ist bereits um 6 % gestiegen. Es gibt nun Waschgelegenheiten, funktionierende Toiletten, Hygiene – aber vor allem: Würde, Gesundheit und Zukunft.
Zum Abschied kochten die Frauen der Gemeinde ein wunderbares Essen für uns. Es war ein Moment der Begegnung und des Miteinanders, der lange in mir nachwirken wird.

Diese Gemeinde zeigt, was möglich ist – wenn Hoffnung auf Hilfe trifft. Und sie ist ein Vorbild dafür, wie Wasser mehr ist als ein Menschenrecht: Es ist der Anfang von allem.
